Hans-Joachim Hoffmann – Die jüdische Familie COBLENZ aus Ottweiler

Wann:
23. Februar 2016 um 17:30 – 19:00
2016-02-23T17:30:00+01:00
2016-02-23T19:00:00+01:00
Wo:
Lesesaal des Landesarchivs Saarbrücken
Dudweilerstraße 1
66133 Saarbrücken
Deutschland

Teil 2: Die Linie Bonnevit COBLENZ

Neben der Familie Jakob Coblenz kam auch Bonnevit Coblenz (1779 – 1858) im Zuge der Versteigerung der Nationalgüter nach Ottweiler. Auch er engagierte sich in der jüdischen Gemeinde, erlangte darüber hinaus jedoch keine Bedeutung. Auch seine acht Kinder hinterließen so gut wie keine Spuren. Nur das Grabmal des 7. Kindes Emmanuel Coblenz (1824-1888) erinnert auf dem jüdischen Friedhof Ottweiler noch namentlich an diese Familie. Sie verdeutlicht auch die Aussage Hoffmanns in seinem 1. Vortrag, dass die Enkelgeneration der Familien, die um 1800 sich in Ottweiler niederließen, wieder verlassen hat: Denn alle vier Söhne – Bonnevit (1860 – 1932), Emile (1862- 1945), Felix (18963 – 1923) und Leopold (1866-?) – verließen spätestens nach dem Tode ihres Vaters unsere Stadt. Von Leopold, der gemeinsam mit seiner Mutter Henriette Aurbohr (*1830 in Trier- ?) Ottweiler verließ, verliert sich die Spur in Wolfenbüttel, Emilie ließ sich in Hamburg nieder, entkam der Ermordung durch den NS durch seine Heirat mit Anna Nack in Hamburg, weil der dadurch den Schutz der Mischehe bekam. Allerdings musste er sein Eigentum verlassen, in ein Judenhaus Rutschbahn 25 a umziehen und starb am 25.12.1945.

Bedeutung über Ottweiler und unsere Region hinaus gewannen Bonnevit und Felix Coblenz. Beide vertraten die Positionen des Reformjudentums und engagierten sich für dessen Zielsetzungen. Bonnevit Coblenz übernahm die Leitung der großen öffentlichen jüdischen Schule in Köln (1901) und führte sie bis 1926. Seine Grabinschrift „Zu lehren gab ich in dein Herz“ (Jüdischer Friedhof Köln-Bocklemünd) kennzeichnet seinen Lebensinhalt: Pädagoge zu sein im Sinne des Reformjudentums. Lebenslang blieb er mit Ottweiler verbunden. Seine Frau Martha emigrierte nach England und verstarb 1940 in London.

Ihre Nachfahren – sowohl die Kinder als auch die Enkelkinder – machten nach der Überwindung der NS-Zeit erstaunliche Karrieren: Walter (*1929) und John ((1932-2004), die Nachfahren ihres Sohnes Martin (1900-1991), der in die USA emigrierte, ergriffen verschiedene Berufe: Walter stieg in der Filmbranche auf zum erfolgreichen Filmproduzent in Hollywood, sein Bruder wurde Börsenmakler.

Henny Coblenz-Nussbaum (1901-1996) wanderte mit ihrer Mutter nach England aus. Sie erlitt das Schicksal vieler Familienangehöriger der Großfamilie Coblenz: Sie erblindete. Doch das hinderte sie nicht an sozialem Engagement: Sie begründete die Jewish Blind Company und gab eine Blindenzeitschrift heraus.

In der Familie wurde die Erinnerung an die deutsche Kultur wach gehalten bis in die heutige Generation.

Felix Coblenz ließ sich ebenfalls zum Lehrer, zusätzlich aber noch zum Rabbiner ausbilden. Über die Stationen Siegen und Bielefeld stieg er zum Rabbiner der Jüdischen Reformgemeinde Berlin auf. Sowohl in Siegen wie auch in Bielefeld initiierte er den Bau einer Synagoge. In Berlin sah er sich mit zwei Problemen konfrontiert: den Zionismus und der Zuwanderung aus dem Ostjudentum. Beide Strömungen lehnte er ab. Seine Forderung lautete unmissverständlich: Integration der Zuwanderer in die jeweilige aufnehmende Gesellschaft. Sein früher Tod ersparte ihm die Verfolgung durch den NS, die seine Frau erleiden m


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