Hans-Joachim Hoffmann – Die jüdische Familie COBLENZ aus Ottweiler

Wann:
26. Januar 2016 um 17:30 – 19:00
2016-01-26T17:30:00+01:00
2016-01-26T19:00:00+01:00

Die jüdische Familie Coblenz

Bedeutend und einflussreich

Aber:  Nicht nur in Ottweiler weitgehend vergessen 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts siedelten vier jüdische Familien aus Bliesbruck im Zuge der Versteigerung der Nationalgüter nach Ottweiler über: die Familien Jakob Coblenz – Gerson Coblenz – Emmanuel Coblenz und Bonnevit Coblenz. Sie engagierten sich in Ottweiler insbesondere in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts sowohl für den Auf- und Ausbau der jüdischen Gemeinde als auch auf kommunaler Ebene. Auf ihre Initiaven hin kam es zur Errichtung der Synagoge, der Begründung einer jüdischen Elementarschule und der Anlage des jüdischen Friedhofs. Dies führte durchaus zum vorübergehenden Aufblühen des Judentums in Ottweiler. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte jedoch ein langsamer, aber beständiger Niedergang der jüdischen Gemeinde ein, bedingt durch die Abwanderung der nachfolgenden Generationen.      Hoffmann recherchierte  die biographischen Daten zu den beiden über Ottweiler und das Saarland hinaus bedeutenden Familienzweige. Im ersten Vortrag stehen die Nachfahren der Familie Jakob und Charlotte Coblenz im Mittelpunkt der Darstellungen. Dabei skizziert Hoffmann die Entfaltung von zwei Linien:

  1. die Linie Ottweiler – Bingen – Mannheim
  2. die Linie Ottweiler – Paris.

Die Ottweiler – Binger – Linie ergab sich dadurch, dass Jakob Coblenz seine Tochter DELPHINE mit dem Binger Weingutbesitzer Josef Philipp Meyer verheiratete. Die aus dieser Ehe stammende Emilie heiratete ihren Cousin SIMON, Sohn aus der Ehe Daniel Coblenz/Marianne Levi (Kirchheimbohlanden). Aus der Ehe Emilie/Simon Coblenz gingen fünf Kinder hervor. Davon machten drei Töchter überregional von sich reden, indem sie sich politisch und/oder als Mäzene und Förderer von Künstlern engagierten. Die bedeutenste Person ist wahrscheinlich IDA DEHMEL, seit 1901 mit dem damals sehr bekannten Schriftsteller Richard Dehmel verheiratet. Ihre Schwester Alice heiratete den linksliberalen Mannheimer Verleger JULIUS BENS-HEIMER und engagierte sich ebenso wie ihre Schwester JULIE HEDWIG für die Gleichstellung der Frauenin Politik und Gesellschaft. Dieses Engagement für die Frauenrechte ergab sich aus ihren Erfahrungen, die sie in ihrem patriarchalischen Binger Elternhaus machten mussten. Hoffmann bemüht sich in seinem Referat darum, nicht nur die biographischen Daten zu den genannten Personen zu ver-mitteln, sondern zugleich einen Eindruck von dem gesellschaftlichen Umfeld zu vermitteln, das von diesen Frauen mitgeprägt wurde.

So geht er auf die Beziehung IDA DEHMEL – STEFAN GEORGE in der Jugendzeit Idas in Bingen ein, deutet das familiäre Umfeld RICHARD DEHMELS an, dessen erste Frau PAULA DEHMEL als Kinderbuchautorin evtl. noch bekannt ist. Ihr Bruder FRANZ OPPENHEIMER lehrte als Professor für Soziologie und Nationalökonomie u.a. an der Universität Frankfurt und betreute die Promotion LUDWIG EHRHARDS. Der große Einfluss IDA und RICHARD DEHMELS lässt sich u.a. daran ermessen, dass Freunde dem Ehepaar 1912 ein Haus in Hamburg-Blankenese schenkten, das zum Treffpunkt von Künstern aus allen Bereichen wurde. Ergänzend dazu stehen die Ausführungen zu den beiden Schwestern ALICE BENSHEIMER und JULIE HEDWIG NEUMEIER, die sich – teilweise in Verbindung mit IDA DEHMEL – in der Frauenbewegung engagierten.

Die Linie Ottweiler – Paris entwickelte sich auf zwei Wegen: DANIEL, der älteste Sohn aus der Ehe Jakob/Charlotte Coblenz, siedelte von Ottweiler über Trier nach Paris über. Wahrscheinlich tätig im Bereich des Bankenwesens erwarb er in Absprache mit seinem nach Bingen verheirateten Bruder SIMON Anteile an den Eisenwerken in Saint Rémy-sur Orne (Calvados).

Eine zweite Verbindung mit Paris kam zustande durch die Heirat der ältesten Tochter GÜTEL/CHARLOTTE von Jakob und Charlotte Coblenz mit dem als Phalsbourg stammenden LEVY, MATHIAS. Denn ihre Tochter PAULINE ehelichte 1851 KALMUS CALMANN, den Begründer des weltbekannten CALMANN-LÉVY-VER-LAGES, für den ein weiterer Nachfahre aus der Linie Jakob Coblenz, nämlich OSKAR COBLENZ, in Berlin eine Niederlassung leitete.

Dank der guten Verbindungen Hoffmanns zu Nachfahren der Familie Coblenz und seinen Kontakten zur Staats-und Universitätsbibliothek Hamburg, die große Teile des Nachlasses von IDA und RICHARD DEHMEL verwahrt, sowie zur DEHMELHAUS-STIFTUNG in Hamburg, die z.Z. das Dehmelhaus in Hamburg-Blankenese in Verbindung mit der REEMTSMA-STIFTUNG restauriert, verfügt der Referent über umfangreiches Quellenmaterial, das einen interessanten Einblick in das Leben der jüdischen Familie COBLENZ und ihrer Nachfahren erwarten lässt.

In einem zweiten Vortrag (23.02.2016) widmet sich Hoffmann der Familie BONNEVIT COBLENZ und ihren Nachkommen, zu denen u.a der Filmproduzent WALTER COBLENZ gehört, der den Film über die WATERGATE-AFFAIRE „Die Unbestech-lichen“ zu verantworten hat und 2009 nach Ottweiler kam, um die Stätten seiner Vorfahren kennen zu lernen. Nähere Informationen zum 2. Vortrag folgen.


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